Die lieben Kritiken

Kritiken und Kritiker – das ist ein Thema, das die meisten, die schreiben (bzw. etwas schreiben, von dem sie möchten, dass andere es lesen), gleich von Anfang an beschäftigt. Und es kommt mir immer wieder so vor, als ob Schriftstellerinnen und Schriftsteller schlechte Kritiken härter treffen und sie sie persönlicher nehmen als andere Kunstschaffende.

Das kann natürlich daran liegen, dass ich mehr mit Leuten zu tun habe, die schreiben, als mit Musikerinnen oder Schauspielern. Aber vielleicht ist der Grund auch ein anderer: Als Autor fließt das, was man im Kopf hat, direkt und ungefiltert auf die Seite. Man braucht dafür kein Instrument, nicht einmal die eigene Stimme, kein Regisseur muss es verfilmen – was auch dazu führt, dass man niemand anderem die Schuld an einer schlechten Inszenierung oder einem schrägen Arrangement in die Schuhe schieben kann. Man nimmt auch nicht den Umweg über Pinsel und Farbe: Die Buchstaben auf dem Papier (meinetwegen auch auf dem eBook) sind, von Font-Varianten abgesehen, alle gleich. Das, was da steht, ist man selbst, ob man will oder nicht. (Gut, meist greift dann noch ein Lektorat ein, aber das ändert selten so viel an einem Text, dass er nicht mehr man selbst „ist“ – dazu aber später einmal mehr.)

Mein erster Roman, „Excrucior“, hatte gute Kritiken, auch in der Presse, und trotzdem – die einzige, die ich wörtlich zitieren kann, ist eine 1-Sterne-Rezension bei Amazon. Erstaunlicherweise steht in dieser Rezension der Satz: „Man spürt mit jeder Zeile, wie wichtig der Autor sich, sein Büchlein und seinen Protagonisten nimmt.“ Und da muss ich dem Amazon-User „Leserleser“ dann doch erwidern: Selbstverständlich, es wäre seltsam, wenn nicht.

Das andere große Negativerlebnis meiner Anfänge als Autor war die erste Lesung aus „Excrucior“ in einem Café bei uns an der Uni. Es war voll, ich war gerade erst aus Hamburg weg, und so kannte ich viele Gesichter – nur eines nicht, das beim anschließenden Q&A aufstand und sagte: „Also, für mich ist das ja alles eher gehobene Pennäler-Poesie.“ Glücklicherweise (a) war ich schlagfertig genug, zu sagen: „Na, wenigstens ‚gehoben‘“, und (b) waren genug Menschen da, die das Buch und die Lesung gut fanden, um ihn im Gemurmel des Widerspruchs untergehen zu lassen.

Trotzdem: So etwas vergisst man nicht. Ist vielleicht aber auch ganz gut so, denn komplett zufrieden mit dem, was man aufs Papier bringt, ist man, glaube ich, niemals. Aber sonst würde man sich ja auch nicht weiterentwickeln.

2 Gedanken zu “Die lieben Kritiken

  1. Schöner Post! Lasst uns unsere gemeinsten Verrisse miteinander teilen und drüber lachen.
    Bei mir sind es zwei:

    „Kaiserinnenschmarrn“ bei „Jägerin der Zeit“, besonders bitter beim Debüt. Heute denke ich: „Scherzkeks! Hoffentlich hat es Deinem Artikel wenigstens Leser gebracht“.

    Aber eine Leserrezension zu „Schattenflügel“ hat mich echt aufgeregt: „Die Autorin wollte uns Leser hier wohl für dumm verkaufen!“ (sinngemäß zitiert) Nee, wollte sie nicht, hab ich gedacht. Bitte nicht von dir auf andere schließen.

    Wer liefert die nächsten Klopfer?

    Kathrin

    PS: Ich glaube übrigens, dass solche Kritiken so weh tun, weil sie gewollt unsachlich sind. Wenn jemand mir handwerkliche Fehler nachweist oder über sprachliche Details anderer Meinung ist als ich, kann ich damit sehr viel besser umgehen, als wenn sich der Kritiker auf meine Kosten profilieren will. Und über das Thema, Feuilleton-Kritiken vs. Leser-Rezensionen könnte man an dieser Stelle auch gut diskutieren …

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  2. Ja, da hast du Recht 🙂 Meine Excrucior-Rezi fängt übrigens an mit: „Was ficht einen Verlag an, für so ein schmales Bändchen 20 Euro zu nehmen?“ – was natürlich Quatsch ist, denn es hatte immerhin 240 Seiten und dann auch gebunden mit Schutzumschlag – so viel zu „sachlich“ (nehme an, der kauft sonst nur TB von Bastei-Lübbe) …

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