Praxis: kurz anfangen

Sicherlich, im Literaturbetrieb, gerade im kommerziellen, spielen Kurzgeschichten und Erzählungen kaum eine Rolle. Auf den Belletristik-Bestsellerlisten und auf den Tischen der Buchhandlungen findet man im Grunde genommen nur Romane (per Definition: fiktionale Texte von mehr als 120 Seiten Umfang). Dennoch sollte man sich, gerade als Anfänger, nicht sofort auf die lange Form stürzen, sondern mit kürzerer Prosa anfangen. Als „Fingerübung“ ist eine kurze Erzählung viel besser geeignet als ein riesiges Werk, an dem man u. U. mehrere Jahre sitzt – man kann seinen Stil ausprobieren, einen Plot entwickeln, der keine 200 Seiten oder mehr tragen muss, und auch Dinge wie Dialoggestaltung üben. Und man bekommt schneller gutes Feedback. Vor allem in Internetforen erhält man weitaus mehr Reaktionen, mit denen man etwas anfangen kann, wenn man eine kurze Erzählung einstellt, als bei einer Leseprobe aus einem Roman. Für die Leser ist etwas Abgeschlossenes zu diesem Zeitpunkt meist ohnehin interessanter.

Obendrein kann man eine kurze Erzählung gut bei Lese-Events vortragen oder versuchen, sie in Literatur-Zeitschriften zu veröffentlichen. Und es gibt zahlreiche entsprechende Wettbewerbe und auch Stipendienprogramme wie das LiLaWo, wo sich Kurzprosa gut für eine Bewerbung eignet.

Natürlich kann es auch hier nicht schaden, sich inspirieren zu lassen bzw. durch viel, viel Lektüre ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man eine kurze Geschichte oder eine Kurzgeschichte (das ist durchaus ein Unterschied!) aufbaut und schließlich selbst schreibt. Neuere Bände mit großartiger kürzerer Prosa und Erzählungen gibt es z. B. von Finn-Ole Heinrich, Julia Schoch oder Michael Weins. Oder aber man orientiert sich ganz klassisch (und gratis im Netz), z. B. bei Kafka oder Poe.

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