Wo ein Wille ist, ist auch ein Text

Wie fängt man an, einen Text zu konzipieren? Einer der, wie ich finde, gewinnbringendsten Ansätze ist, bei der Motivation der Figuren zu beginnen.

In jeder guten Geschichte geht es darum, dass die Hauptfigur etwas will. In „Der alte Mann und das Meer“ will Santiago um jeden Preis den Marlin fangen, im „Fänger im Roggen“ will Holden Caulfield der feindlich-oberflächlichen Welt seiner Highschool entfliehen. Odysseus will nach Hause, Sherlock Holmes will Rätsel lösen, Harry Potter will die Welt retten, genau wie James Bond in den Romanen von Ian Fleming. Und „Herr Lehmann“ will hauptsächlich seine Ruhe. Zwischen diesen Extremen kann die Motivation des oder der Protagonisten liegen.

V8A98C0U96 Aaron BurdenMan muss sich nicht immer große Gedanken darüber machen, was in einem Text alles passieren kann, soll und muss, damit er spannend oder interessant ist. Viel wichtiger ist es, dem Personal, das diesen Text bzw. seine Handlung zum Leben erwecken wird, zunächst selbst einmal Leben einzuhauchen, in Form einer eigenen Motivation.

Manchmal braucht es dann auch gar keine großen Verrenkungen im Plot, sondern es entstehen ganz einfache, aber gerade deshalb sehr lesenswerte Texte. Wer so einen lesen möchte, dem sei der vor Kurzem erschienene Roman von Kristine Bilkau, „Die Glücklichen“, empfohlen, bei dem die Protagonisten vor allem wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Was es aber nicht tut – wäre dann wohl auch etwas wenig für einen Roman.

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