Praxis: Figurennamen

Eine Frage, die mir bei Lesungen immer wieder gestellt wird, ist: Wie kommen Sie eigentlich auf die Namen? Im Grunde ist die ehrliche Antwort darauf die gleiche wie auf die Frage danach, woher ich die eine oder andere Idee des Plots hatte: Keine Ahnung. Das kommt irgendwoher, es ist einfach die Inspiration, wie auch immer. Trotzdem kann ich ein paar Worte zu den Namen meiner Figuren sagen.

Bei meiner Figur Gunwald Brook sollte der Nachname, ein plattdeutsches Wort, ein direkter Hinweis auf Norddeutschland sein; sein Kollege Hellkamp ist nach einer Straße in Hamburg-Eimsbüttel benannt. Mitunter sind meine Namen auch Verweise auf andere Werke, z. B. bei meinen Brook-Krimis auf die Krimireihe von Sjöwall/Wahlöö: Mein Kommissar Gunwald Brook hat seinen Vornamen von Gunvald Larsson, und auch der Vorname Folke und der Nachname Radeberger stammen von dort.

Ansonsten versuche ich darauf zu achten, dass gerade die Vornamen insofern realistisch sind, als sie zum Alter der Figur passen. Da sind die Listen mit den beliebtesten Vornamen des Jahres, die man etwa für die letzten 100 Jahre im Netz findet, sehr hilfreich. Denn ein Zwanzigjähriger, der Thorsten heißt, ist 2015 nicht besonders wirlichkeitsnah.

Ein ganz anderes Beispiel ist eine Figur in meinem Thriller Transit. Als ich den schrieb, erzählte mir eine Freundin von einem ziemlich unsympathischen Kollegen, und sie fragte mich, ob ich den nicht literarisch verarbeiten könnte. Und da ich im Roman gerade einen Stasi-Offizier am Wickel hatte, der erst nett erscheint und sich später als besonders perfide entpuppt, nahm ich kurzerhand den Namen und tauschte Vor- und Nachname aus (was da glücklicherweise ging). Ich weiß nicht, ob er das Buch gelesen hat, aber meine Freundin hat sich gefreut.

Was ich im Übrigen immer tue, wenn ich einen Namen „gefunden“ habe, ist die Kombination aus Vor- und Nachname zu googeln. Wenn das keine Treffer ergibt, bedeutet das in der Regel, dass sich später auch niemand auf den Schlips getreten fühlen wird. Das ist mir persönlich wichtig, auch wenn es eigentlich nicht nötig ist, weil ja vorne im Roman immer der Hinweis steht: „Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.“

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