Praxis: Figurenbau

Man muss seine Figuren kennen, das ist das A und O, und darum kommt kein Autor herum. Egal wie plot driven ein Roman ist (z. B. ein Krimi oder Thriller), wenn die Figuren nicht nachvollziehbar sind, wenn sie wie Abziehbilder wirken, man sie nicht „vor sich sieht“, entsteht einfach kein guter Text.

Damit ist nicht gemeint, dass man sie so gut wie möglich beschreiben muss. Man kann seine Figuren auch ohne langatmige Beschreibungen charakterisieren, z. B. dadurch, wie sie mit anderen im Dialog interagieren – überhaupt sind die Beziehungen der Figuren untereinander sehr wichtig.

Manche Autoren arbeiten mit einem Fragebogen, den sie bei der Figurenkonzeption für ihre Protagonisten ausfüllen – Geburtsort, Sternzeichen, Lieblingsfilm, Lieblingsessen, Lieblingssong … Das kann ganz hilfreich sein, eine Art Steckbrief sollte man sich schon deshalb machen, um nicht mit Alter oder Namen durcheinanderzukommen. Aber zur wirklichen Charakterisierung sind andere Dinge wichtiger.

Wenn du eine Figur entwirfst, solltest du dich immer wieder zwei Dinge fragen: (a) Wie verhält sie sich, wenn sie mit anderen zusammen ist? Und (b) Wie verhält sie sich, wenn sie allein ist?

Der letzte Punkt ist besonders interessant, denn er führt zu weiteren Fragen: Wie selbstbewusst ist diene Figur? Was tut sie, wenn sie ganz entspannt zu Hause sitzt und keinen Stress hat? Wenn sie einmal nicht reagieren muss?

So eine Szene kann man aich durchaus mal in seinen Roman einbauen. Wenn sie nachher zu langweilig scheint, kann man sie ja wieder streichen.