Drei Fragen an den Lektor: Georg Hasibeder (Haymon)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Denken Sie gründlich darüber nach, was Sie schreiben wollen, und wer Ihre LeserInnen sind. Nur wenn Sie selbst ein präzises Bewusstsein dafür haben, wo Sie stehen, können Sie das auch dem Verlag vermitteln.
Seien Sie kritisch mit sich selbst. Arbeiten Sie hart und gründlich, seien Sie unnachsichtig sich selbst gegenüber.
Seien Sie mutig. Verlage suchen keine Manuskripte, die aktuelle Bestseller nachahmen und auf Trendzüge aufspringen, sondern frische Ideen, eigenständige Stimmen.
Halten Sie sich dabei immer vor Augen, dass Verlage zwar Kulturvermittler sind, aber zugleich auch Wirtschaftsunternehmen, die davon leben, Bücher zu verkaufen. Ihr Manuskript soll gut, originell, eigenständig sein, aber es muss auch am Buchmarkt bestehen können.
Und: Vernetzen Sie sich, tauschen Sie sich aus mit anderen Autoren, bemühen Sie sich um Auftrittsmöglichkeiten, um Lesungen, um Veröffentlichungen in Zeitschriften oder Anthologien, in Blogs. So sammeln Sie Erfahrung, erhalten Rückmeldungen auf Ihre Texte, werden sichtbar.

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Vor allem muss ein Manuskriptangebot den Eindruck vermitteln, dass es ernsthaft und professionell ist. Dass Sie immer schon davon geträumt haben, ein Buch zu veröffentlichen, dass Sie überzeugt sind, dass Ihr Manuskript ganz hervorragend ist, und dass Ihre Freunde und Ihre Familie Ihnen ans Herz gelegt haben, es zu publizieren, ist schön und gut, aber für den Verlagslektor, der das Manuskriptangebot in die Hände bekommt, nur mäßig interessant. Parfümiertes Briefpapier mit Blümchenmuster, Anschreiben in unleserlicher Handschrift, zerknitterte Manuskriptseiten oder kryptische Begleitbriefe machen dem Lektorat keine Freude. Halten Sie sich vor Augen: In einem Verlag landet jede Woche ein Stapel neuer Manuskripte – im Haymon Verlag rund 1.500 im Jahr –, und für die Erstdurchsicht dieser Angebote hat das Lektorat eigentlich gar nicht wirklich Zeit. Erleichtern Sie dem Lektorat also die Arbeit durch übersichtliche, gut geordnete, nachvollziehbare Unterlagen. Schreiben Sie keine ausufernden Begleittexte und Exposés, sondern kommen Sie rasch auf den Punkt. Vermitteln Sie in einem knappen Begleitbrief einen Eindruck davon, wer Sie sind, was Sie geschrieben haben und für wen, verzichten Sie auf Standardfloskeln, sagen Sie lieber das, was Sie eigentlich sagen wollen. Geben Sie einen kurzen Lebenslauf dazu, der die für den Verlag relevanten Informationen enthält – also nicht, ob Sie über einen Computerführerschein oder fließende Spanischkenntnisse verfügen, auch nicht, wo Sie Ferialpraktika absolviert haben, dafür aber, wo und wie Sie sich bislang literarisch bewegt haben. Und geben Sie nicht unnötig Geld dafür aus, alle 500 Seiten auszudrucken – fürs Erste genügt eine Leseprobe von 20, 30 Seiten (am besten vom Anfang), mit der sich der Lektor einen Eindruck davon verschaffen kann, wie Ihre Sprache klingt; wenn der Lektor dann mehr lesen will, wird er sich bei Ihnen melden.
Zum professionellen Auftritt des Manuskriptangebots gehört im Übrigen auch, sich vorher zu informieren, ob das, was Sie geschrieben haben, überhaupt ins Programm des Verlags passt, an den Sie sich wenden wollen, und in welcher Form der Verlag eine Einreichung wünscht. Obwohl wir bei Haymon weder Ratgeber noch Reiseführer noch Kinderbücher noch Foto-Gedicht-Bände veröffentlichen, landen jede Woche ein paar solcher Manuskriptangebote bei mir; und obwohl auf unserer Homepage vermerkt ist, dass wir Manuskripte ausschließlich per Post erhalten wollen, habe ich jeden Tag ein paar digitale Manuskriptangebote im Posteingang; nicht selten erfahre ich dabei aus der CC-Zeile auch gleich, an welche anderen Verlage das Mail noch gegangen ist.

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Vor allem in unserem Krimi-Programm haben wir in den vergangenen Jahren einige hervorragende und sehr erfolgreiche Autoren entdeckt: Herbert Dutzler etwa, im Moment einer der erfolgreichsten österreichischen Krimi-Autoren, Joe Fischler, der heuer mit „Veilchens Winter“ ein sensationelles Debüt vorgelegt hat, oder Günther Pfeifer. Der Fairness halber muss man allerdings dazusagen: Nur wenige der Autoren kommen über den „klassischen“ Weg des unverlangten Manuskripts zu uns, viel häufiger kommt es vor, dass wir selbst Autoren ansprechen – auf die wir über Lesungen, Anthologien etc. aufmerksam werden – oder der Kontakt über eine Empfehlung eines Autors, Kritikers oder Veranstalters zustande kommt.

Georg Hasibeder ist Lektor im Innsbrucker Haymon Verlag.

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