Drei Fragen an die Lektorin: Stefanie Rahnfeld (emons)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Wenn Sie Kriminalromane schreiben oder schreiben möchten: Nehmen Sie das Genre ernst und unterschätzen Sie es niemals. Glauben Sie nicht, nur weil es typische Krimiversatzstücke gibt, es sei einfach, einen Krimi zu schreiben. Lesen Sie die wichtigsten Vertreter des Genres – und versuchen Sie dann, etwas eigenes zu machen, ohne zu kopieren und ohne in aufgesetzte Originalität zu verfallen. Zugegeben: Das ist nicht leicht, aber genau das ist die Kunst. Haben Sie Respekt vor dem Genre und nutzen Sie es dafür, wofür es im besten Fall steht: in nervenzerfetzend spannender Form etwas Relevantes zu erzählen.
Wenn Sie glauben, das geschafft zu haben, dann nehmen Sie sich Ihr Manuskript vor und überarbeiten es, bis der Text kein Gramm mehr zu viel auf den Rippen hat, kein überflüssiges Adjektiv und kein deplatziertes Ausrufezeichen, bis inhaltlich nichts mehr schlackert und Anfang, Mittelteil und Ende sitzen. Dann geben Sie es Menschen zur Lektüre, die Sie nicht kennen, und prüfen wohlwollend, ob deren Kritik sinnvoll ist, bis Sie Ihren Text schließlich Korrektur lesen lassen und an Verlage schicken, in deren Profil er passt.

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Tatsächlich schauen wir uns jedes eingesandte Manuskript an, ob verlangt oder unverlangt, wobei sich die Chancen darauf, dass es weiter als nur bis Seite 1 gelesen wird, erhöhen, wenn man sich daran hält: Gerade der Emons Verlag hat ein ganz klares Profil, nämlich Kriminalromane mit regionalem Bezug, einige wenige Ausnahmen bestätigen dieses Profil nur. Es ist also wirklich Verschwendung von Zeit und Geld, dem Krimilektorat ein Manuskript zu schicken, das die Geschichte eines Reitpferds von der Geburt bis zum bitteren Ende erzählt (so geschehen). Wenn man also glaubt, mit uns den richtigen Verlag erwischt zu haben, sollte das Manuskript so unaufgeregt wie möglich aussehen: ohne formalen/optischen Schnickschnack, ohne zu viel Witz/Humor/Originalität im Anschreiben, dafür mit einem freundlichen knapp-souveränen Schreiben, das auf einen Blick umreißt, was angeboten wird, mit einer Vita mit Benennung relevanter Eckpunkte und vor allem mit einem aussagekräftigen Exposé, das auch die Auflösung des Kriminalfalles enthält. AutorInnen begehen oft den Fehler, dass sie auch das Exposé spannend gestalten wollen und die Auflösung hinter einem geheimnisvollen … verbergen. Da wir jedoch erst einmal nur eine Leseprobe sichten, ist der Überblick über den Plot und damit natürlich auch darüber, wie der Kriminalfall aufgelöst wird, immens wichtig. Ebenso sollten die ersten ca. 40 Seiten mitgeschickt werden – und nicht etwa eine Auswahl von Szenen, die der Autor für spannend hält. Wer sich an diese Vorgaben, die ein Blick ins Internet problemlos verrät, bewusst nicht hält („Ich weiß, dass Sie die ersten 40 Seiten sichten möchten, aber glauben Sie mir, Szene 37 repräsentiert meinen Text viel besser“), löst tatsächlich Unmut aus. Wer all das beherzigt und einen spannenden, frischen, mutigen Plot an atmosphärisch gezeichnetem Schauplatz geschrieben hat, hat durchaus Chancen, dass auch der Gesamttext angefordert wird.

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Tatsächlich haben wir in diesem Herbst einen Krimi in unserem so vielfältigen Programm, der ganz aktuell für all das steht, was einen guten Kriminalroman – und damit nichts anderes als ein gutes Buch – ausmacht: „Der Blogger“ von unserem noch sehr jungen Autor Patrick Brosi. Er erzählt mit absolut zwingender Dynamik eine Geschichte, wie sie beklemmender, exzeptioneller und gleichzeitig realer nicht sein könnte, geht auf eine Weise mit dem Genre um, die mich sprachlos vor Bewunderung macht, und wagt ein Ende, das fassungslos zurücklässt. Eine echte Entdeckung und ein Autor, von dem man sicherlich noch viel hören und lesen wird.

Stefanie Rahnfeld ist Lektorin im Kölner Emons-Verlag.

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