Das unverlangt eingesandte Manuskript

Die meisten Verlage nehmen sogenannte „unverlangt eingesandte Manuskripte“ entgegen. Oft steht auf der Webseite eines Verlags ziemlich genau, was man darunter zu verstehen hat. Auf der Webseite von Hoffmann & Campe z. B. heißt es:

Übersenden Sie zunächst nur ein Exposé und die ersten 30 Seiten (30 Zeilen à 60 Anschläge, einseitig / anderthalbzeilig beschrieben) als Leseprobe – das gesamte Manuskript bitte nur nach Aufforderung.

Das ist ein ziemlich übliches Procedere. Das Schlimmste, das man tun kann, ist ein komplettes Manuskript einzuschicken. Mehr als 10–12 Seiten von einem Manuskript schaut sich der Volontär oder Praktikant des Lektors (der Lektor selbst hat für unverlangt eingesandte Manuskripte nur in den allerseltensten Fällen Zeit) meist ohnehin nicht an.

Üblicherweise braucht ein Verlag dann um die vier Monate, bis man eine Absage erhält, manche antworten auch gar nicht. Zurückgesandt wird von dem Eingesandten i. d. R. ohnehin nichts – wenn ein Publikumsverlag im Jahr um die 4000 unverlangt eingesandte Manuskripte bekommt, kann man sich leicht ausrechnen, warum.

Ein Lektor in einem großen Verlag erzählt mir neulich, in den zehn Jahren, die er seinen Posten hat, hätten sie aus keinem einzigen unverlangten Manuskript ein Buch gemacht. Und das seien immerhin um die 30.000 Stück gewesen. Nur: Wenn daraus ohnehin nichts wird, warum nehmen die Verlage dann noch diese Manuskripte an?

Viele sehen es nach wie vor als Serviceleistung an, sich Manuskripte schicken zu lassen und auch (in welcher Form auch immer) zu sichten. Andere scheuen vielleicht davor zurück, potenzielle Autoren als Leser zu verprellen. Dennoch gehen viele, vor allem kleinere, Verlage inzwischen dazu über, sich gar keine Manuskripte mehr schicken zu lassen. So heißt es bei Jacoby & Stuart auf der Webseite:

Bis auf weiteres können wir leider keine unverlangten Manuskripte annehmen!

Das ist immerhin ziemlich ehrlich. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch Ausnahmen gibt: Das Blütenstaubzimmer, Zoë Jennys Debütroman, für den sie 1997 den Aspekte-Literaturpreis erhielt, kam beispielsweise als unverlangt eingesandtes Manuskript zur Frankfurter Verlagsanstalt. Und auch Alina Bronskys Scherbenpark traf unverlangt bei Kiepenheuer & Witsch ein und war bei Erscheinen (2008) Spitzentitel der Verlagsvorschau. Für dieses Jahr wäre Julia Wolfs Debüt Alles ist jetzt zu nennen (wieder Frankfurter Verlagsanstalt).

So lange solche Ausnahmen die Regel bestätigen, werden Verlage nach wie vor unverlangt eingesandte Manuskripte annehmen. Und so lange kann man Glück haben. Wenn die Chance auch zugegenermaßen sehr gering ist, über diesen Weg einen Verlagsvertrag zu bekommen.

Ein Gedanke zu “Das unverlangt eingesandte Manuskript

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s