Vorsicht, Falle: DKZV

TOY1QC4O5D © Bethany LeggStockSnapWenn man über die Buchmesse läuft, sieht man hin und wieder einen Stand (in Frankfurt vor allem in Halle 4.1 rechts hinten), an dem ein Schild prangt, auf dem „Verlag sucht Autoren“ steht oder „Manuskripte gesucht“ oder etwas in der Art. Wow, mag man da denken, wenn man gerade auf Verlagssuche ist, normalerweise ist es doch umgekehrt. Und wenn man das denkt, hat man auch im Prinzip recht: Denn das hier sind keine normalen Verlage, sondern sogenannte Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Und bei denen ein Buch zu veröffentlichen, ist das Schlimmste, was man sich als Autor antun kann. Für mich ist das ein ähnliches Phänomen wie der Infostand von Scientology in der Hamburger Innenstadt, wo man auch immer wieder sieht, wie sich Leute dort tatsächlich informieren lassen oder Flyer mitnehmen. Naja, irgendwo müssen die vielen Mitglieder ja herkommen.

Im Grunde sind die DKZV nicht einmal Verlage, denn der Begriff „Verlag“ kommt ja von „vorlegen“ – der Verleger gibt erstmal selbst Geld dafür aus (in Form von Produktion plus im besten Fall Vorschuss für den Autor), dass ein Buch auf den Markt kommt. Die DKZV zäumen das Pferd jedoch von hinten auf: Sie kassieren erst einmal beim Autor ab. Mit dessen Geld wird das Buch produziert, in der Regel nur ein paar hundert Stück, und dann passiert meist – gar nichts. Sicher, das Buch bekommt eine ISBN-Nummer, man findet es vielleicht sogar bei Amazon. Aber das war es auch schon, das Geld, das man ausgegeben hat, bekommt man nicht wieder rein, indem man sein Buch an Freunde und Bekannte verkauft, denn dabei bleibt es meistens. Und zuhause stehen die Kartons im Weg herum. Bei den Buchhandlungen läuft man sich mit seinem Bändchen umsonst die Hacken wund, denn die vertrauen (mit Recht) auf die Instanz der Publikums- oder auch Indie-Verlage, die auswählen, welche Literatur sie veröffentlichen.

Illegal ist das Ganze leider nicht, denn jeder Autor unterschreibt ja aus freien Stücken den Vertrag beim DKZV, niemand wird zu irgendwas gezwungen. Und dennoch ist es Bauernfängerei: Wenn ein Verlag mit einem so seriös bis blumig klingenden Namen wie

  • Akademie freier Autoren
  • Brentano-Gesellschaft
  • Schweizer Literaturgesellschaft
  • August von Goethe Literaturverlag
  • Verlag junger Autoren
  • Deutsche Literaturgesellschaft
  • Frankfurter Literaturverlag

einem schreibt: „Ihr Manuskript hat uns gut gefallen, und wir würden es gerne in unser Verlagsprogramm aufnehmen“, dann ist die Freude oft so groß, dass man das, was folgt, halt in Kauf nimmt. Doch meist schlägt die Euphorie, dass der Verlag das Manuskript, zu dem man vielleicht schon x Absagen erhalten hat, annimmt, ganz schnell ins Gegenteil um. Zumal wenn man seinen nächsten Roman schreibt und dann, erneut auf der Suche nach einem Agenten oder Verlag, zu hören bekommt: „Ach, da und da haben Sie veröffentlicht? Nein danke, damit möchten wir nichts zu tun haben.“ Ist alles schon passiert.

Eine ziemlich ausführliche Liste der bekannten DKZV findet man hier. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang übrigens auch noch an anderer Stelle geboten. Noch vor einiger Zeit war in Dietzenbach der sogenannte „Bund Deutscher Schriftsteller e. V.“ tätig, der, nach eigener Aussage, „vor allem neue Autoren, die ihr erstes Manuskript veröffentlichen wollen“, unterstützte – tatsächlich vermittelte er Autoren an DKZV. Inzwischen ist die Webseite abgestellt, ob der „BDS“ noch tätig ist, weiß ich nicht. Aber es kann immer wieder vorkommen, dass Akteure mit solchen Namen auftreten, deren Gebaren mehr als fragwürdig ist. Alleine ein „e. V.“ verleiht halt noch keine Integrität.

Wer noch mehr Infos sucht: Hier ist ein Hörtipp zum Thema, ein interessantes viertelstündiges Feature aus dem Bayerischen Rundfunk vom Februar 2015. Das Thema DKZV stand vor ein paar Jahren auch einmal im Mittelpunkt einer Folge der Sendereihe „Vorsicht Falle“ im ZDF.

Auf der Suche nach einem Verlag für sein Manuskript kann man sich den Besuch der beiden großen deutschen Buchmessen übrigens sparen. Meines Wissens hat dort noch nie jemand ein Buch an den Mann gebracht. Außer eben an einem Stand, wo es heißt: „Verlag sucht Autoren“. Und es richtiger heißen müsste: „Verlag sucht Autoren, denen er für wenig Gegenleistung das Geld aus der Tasche ziehen kann“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s