Manuskript einsenden: die Leseprobe

8Y0EDX4VP9 Green ChameleonMit dem Exposé schickt man in der Regel eine Leseprobe mit. Trotzdem: Diesen Schritt zu wagen, bevor das Buch fertig ist, ergibt schon deshalb keinen Sinn, weil man im besten Fall aufgefordert wird, umgehend das ganze Manuskript zu schicken, und wenn man dann sagen muss: „Entschuldigung, die letzten drei Kapitel sind noch nicht fertig“, war alle Mühe umsonst.

In seltenen Fällen wird man sogar von vorneherein gebeten, gleich das ganze Manuskript zu schicken. Das sind aber wirklich Ausnahmen, und zwar aus gutem Grund. Als ich Lektor beim Zabern-Verlag war, kamen mir nicht viele unverlangt eingesandte Manuskripte ins Haus geflattert (es sprach sich gerade erst herum, dass der Verlag seit Kurzem auch historische Romane auf den Markt brachte). Aber die acht bis zehn bis unverlangten Manuskripte, die ich pro Woche in der Post hatte, kamen meist komplett, also in Form von 400–500 ausgedruckten Seiten. Von denen ich dann in der Regel drei bis vier Seiten las, bevor das Ganze in den Müll wanderte, denn das meiste war Mist, und natürlich hatte der Verlag kein Geld dafür, die Papierberge zurückzuschicken. Und so viel Papier zu vernichten, ist einfach unschön.

Tatsächlich wollen die meisten Verlage auch heutzutage noch Papier zugeschickt bekommen. Das hat sicherlich unterschiedliche Gründe, von einem allgemeinen Konservativismus bis hin zur Angst vor Viren oder Trojanern. So heißt es beispielsweise auf der Webseite von Ullstein:

Wir bevorzugen postalisch zugesendete Manuskripte. Sofern Ihnen dies nicht möglich ist, bitten wir, Angebote per Mail ausschließlich im PDF-Format zu senden (Word-Dokumente werden nicht geöffnet).

Und in der Tat ist die Chance bei Word-Dateien viel größer als bei PDFs, dass sie Viren enthalten, weshalb auch Mails unbekannter Absender mit Word-Anhang oft im Spam landen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, wie mein kleines Interview mit Lektor Anvar Cukoski von Piper bestätigt. Apropos: Im Idealfall hat man bereits Kontakt mit dem Lektor aufnehmen können und vereinbart, dass man ihm etwas schickt. In solchen Fällen wird er einem ohnehin sagen, in welcher Form er die Leseprobe haben möchte. Und da kommt es dann sogar öfter mal vor, dass man das Ganze per Mail schickt statt per Post. Ist ja auch logisch: Wenn die Post irgendwann auf seinem Schreibtisch landet, hat er möglicherweise längst vergessen, von wem sie kommt, da er sich inzwischen um zwanzig andere Projekte kümmern musste. Bei unverlangten Manuskripten jedoch sollte man sich in jedem Fall an die Verlagsvorgaben halten, und die stehen in aller Regel auf der Webseite des Verlags.

In der Regel sollte die Leseprobe 30 Seiten lang sein, und in den allermeisten Fällen erwartet man – auch wenn es nicht explizit dabei steht –, dass es sich um die ersten 30 Seiten des Manuskripts handelt. Natürlich ist es schade, wenn die persönliche Lieblingsstelle dann möglicherweise nicht dabei ist. Aber im Lektorat möchte man sich in der Regel selbst aussuchen, was man liest, und nicht vom Autor vorschreiben lassen. Wenn die ersten Seiten eines Romans oder einer Erzählung den Leser nicht auf die eine oder andere Weise packen, wird man es eh schwer haben.

Am Ende noch ein paar rein technische Tipps: Man sollte, wie immer, keinen ausgefallenen Schrifttyp verwenden, und die Leseprobe sollte einseitig ausgedruckt sein, mit ca. 30 Zeilen à 60 Zeichen pro Seite, anderthalbzeilig gesetzt. Und vergessen Sie nicht Seitenzahlen und Ihren Namen in der Kopf- oder Fußzeile, gerne auch mit dem ©-Zeichen vorm Namen, dann ist man juristisch auf der sicheren Seite, falls doch mal jemand eine Leseprobe oder Teile daraus „zweckentfremdet“ – ist alles schon vorgekommen.

Dass die Leseprobe keine Rechtschreib-, Grammatik- oder Zeichensetzungsfehler enthalten darf, versteht sich von selbst. Wer das nicht allein hinbekommt, muss jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Ein Gedanke zu “Manuskript einsenden: die Leseprobe

  1. Tja, dann habe ich entweder etwas grundlegend falsch – oder grundsätzlich richtig gemacht.
    Denn ich hatte mich doch wahrhaftig als Debütantin mit einem unfertigen Manuskript bei der BVjA-Aktion „Date deinen Verlag“ beworben und dank überzeugendem Exposé (in dem selbstverständlich sowohl Fertigstellungsgrad als auch -datum angegeben waren) nebst Leseprobe gleich zwei Vorstellungstermine auf der LBM ergattert.
    Dort konnte ich noch zwei weitere Verlage interessieren und im Endeffekt gab es drei GM-Anforderungen, zwei davon lange bevor das GM auch nur ansatzweise fertig war.
    Für die Auswahl der Leseprobe bin ich übrigens auch einen Sonderweg gegangen. Mein Debüt besitzt einen sehr überraschenden und dramatischen Wendepunkt in der Mitte des Plots.
    Deshalb splittete ich die geforderte 30-seitige Lesprobe auf: Zum einen nahm ich das erste Kapitel mit rund 15 Seiten und dann das Kapitel mit der Wendepunkt-Szene.
    Ergebnis der ganzen Aktion?
    Am 25.01.2015 die erste Szene zum Roman geschrieben, Ende Februar beim BVjA beworben, 15.03. in Leipzig mit den Verlagsvertretern getroffen, Ende April Manuskript beendet, bis Anfang Juni überarbeitet und nach der ersten Absage dann im zweiten Anlauf beim Wunschverlag am 13.07. die Zusage erhalten – und am 30.11.2015 hat mein „Baby“ DIE 13. JUNGFRAU das Licht der Welt erblickt.

    Manchmal muss man es einfach wagen.

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