Drei Fragen an die Lektorin: Barbara Maassen (Droste)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Mein Rat für angehende Autoren klingt simpel, ist aber häufig gar nicht so einfach zu befolgen: Sich selbst nicht so wichtig nehmen. Nach links und nach rechts sehen. Welche Bücher haben mich beeindruckt? Warum war das so? Lag es am spannenden Thema? Dem besonderen Schreibstil? Oder haben mich die überraschend interagierenden Charaktere in den Bann gezogen? Schauen Sie sich Ihre Lieblingsbücher an, sprechen Sie mit anderen Autoren, interessieren Sie sich für andere Sichtweisen und versuchen Sie selbst nicht festgefahren zu sein in einer Meinung, die für Sie unumstößlich scheint. Kritisiert werden möchte niemand gern, aber es hilft, seinen eigenen Horizont zu erweitern und erlaubt eine andere Sicht auf die Dinge. Und das bereichert nicht nur den Autor, sondern auch seine Leser. Haben Sie den Mut, offen zu sein!

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

In der Regel erklären alle Verlage auf ihrer Homepage, wie ein Manuskript eingesendet werden soll, damit ein Lektor des Hauses einen Blick darauf wirft. Daran sollte man sich als Autor halten, denn der Verlag wird seine Gründe haben, warum ihm ein Text genauso vorgelegt werden soll. Beim Droste Verlag freuen wir uns über ein neugierig machendes Anschreiben, ein aussagekräftiges Exposé, das alle wichtigen Punkte des Manuskripts umreißt, eine Vita, die das bisherige (literarische) Leben des Autors skizziert und eine Leseprobe von rund 30 fortlaufenden Seiten, am besten den Textanfang.

Darüber hinaus sollte sich der Autor beim Blick auf die Homepage unbedingt darüber informieren, welche Bücher der angeschriebene Verlag publiziert und anhand dessen entscheiden, ob sein Werk in das Programm passt oder ob er besser nach einem geeigneteren Verlag Ausschau hält. Da Droste ein Regionalverlag ist, ist es bei uns wichtig, dass der eingesendete Text einen regionalen Bezug zu einem oder mehreren Orten/Themen in NRW hat. Erhalte ich einen Liebesroman, der in Australien spielt, bin ich doch verwundert, dass sich ein Autor nicht einmal die Mühe macht zu prüfen, ob sein Manuskript ins Verlagsprogramm passt. Wenn der Autor sich schon so wenig Mühe bei der Unterbringung seines Textes gibt, worin soll dann die Motivation des Lektors bestehen?

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Als größte literarische Entdeckung möchte ich niemanden auf ein Podest stellen. Ich bewundere alle Autoren, die den Mut haben, eine Idee zu Papier zu bringen und ihr Herzblut darauf zu verwenden. Kritik einstecken. Von vorne anfangen. Immer besser werden. Bis zum fertigen Buch, das – auf welchem Weg auch immer – die Aufmerksamkeit einer wachsenden Leserschaft auf sich zieht. Dafür wünsche ich allen Autoren viel Geduld und Erfolg.

Barbara Maassen ist Lektorin im Düsseldorfer Droste Verlag.

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