Drei Fragen an die Lektorin: Sabine Baumann (Schöffling)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Ich schließe mich den Kollegen aus den anderen Häusern an und empfehle neben dem regelmäßigen Schreiben, auch wenn gerade kein konkretes Lyrik- oder Romanprojekt ansteht, viel und gründlich zu lesen. Von Klassikern und Zeitgenossen kann man viel lernen. Die Frankfurter Poetikvorlesung ist ebenfalls eine großartige Möglichkeit, sich von den Autoren, die dort über ihr Schreiben Auskunft geben, anregen zu lassen.

Meine Erfahrung ist, dass es beim Schreiben wie im Leben auch sehr unterschiedliche Arbeits- und Herangehensweisen gibt und dass man für sich selbst herausfinden muss, wie man selbst am besten arbeitet. Viele der Schriftsteller, die ich kennengelernt habe, profitieren sehr vom Austausch mit anderen bei Schreibwerkstätten oder Literaturfestivals. Dort kann man sich zugleich Kontakte zu Verlagen aufbauen. Wir haben in Deutschland hervorragende Literaturzeitschriften, in denen auch junge Stimmen eine Chance bekommen. Von der Rückmeldung der Redakteure, die oft selber auch Schriftsteller sind, kann man ebenso profitieren wie von dem Forum, was diese Zeitschriften bieten. Das ist auf jeden Fall erfolgversprechender, als es mit unverlangt eingesandten Manuskripten zu versuchen.

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Wir bitten eigentlich darum, uns keine unverlangten Manuskripte zuzusenden. Sonst könnten wir die Manuskripte unserer Hausautoren und solcher, die im Begriff sind, es zu werden, nicht so engagiert betreuen, wie wir es tun. Gleichzeitig sind wir natürlich neugierig auf junge Talente und halten daher bei Literaturwettbewerben, in Literaturzeitschriften und über die „Antennen“ unserer bereits etablierten Autoren Ausschau.

Wenn man es dennoch auf diesem Weg versuchen möchte, sollte man ein kurzes Exposé mit einer Textprobe oder dem Gesamtmanuskript und einer kurzen Biobibliografie schicken. Je weniger Firlefanz, umso besser, dafür sollte das Geschriebene so geschliffen und poliert sein wie möglich – lieber noch mal vorher jemanden kritisch durchlesen lassen! Beim ersten Tippfehler im Anschreiben wird die E-Mail weggeklickt.

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Abgesehen von den deutschsprachigen Autoren von Schöffling & Co.? Sie haben allesamt unverwechselbare Stimmen und schreiben großartige Romane, Erzählungen und Gedichte. Abgesehen davon war die erste deutsche Übersetzung von Bora Ćosićs 1978 erschienenem und nie zuvor übersetztem Roman Die Tutoren eine ungeheure Entdeckung für mich. Dieses Buch gehört zu den literarischen Wiederentdeckungen und der Art von Werkpflege, wie sie unser Verlag seit nunmehr über zwanzig Jahren leidenschaftlich betreibt. Brigitte Döbert hat diesen oft mit Joyces Ulysses verglichenen parodistischen Roman mit seinen vielen Sprachebenen meisterhaft aus dem Serbischen übersetzt, es war eine Freude, mit ihr daran arbeiten zu dürfen. Auch dieses Buch des seit dem Jugoslawienkrieg in Berlin lebenden Autors ist übrigens eine Fundgrube für angehende Schriftsteller!

Sabine Baumann ist Lektorin beim Frankfurter Verlag Schöffling & Co.

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