Endlich mal Zeit zum Schreiben: Stadtschreiber-Stipendien

9VJVUAGUHA - Luca Bravo - StockSnap

Wer kennt das nicht? Man möchte so gerne mal richtig viel Zeit zum Schreiben haben, aber immer kommt etwas dazwischen. Nicht zuletzt, dass die Miete bezahlt werden will und Bötchen auf den Tisch sollen und der nächste Verlags-Vorschuss noch in weiter Ferne liegt.

Ein Stadtschreiber-Stipendium ist gerade für junge, angehende Autorinnen und Autoren ohne festen Job eine gute Möglichkeit, sich einmal ein ganzes (manchmal ein halbes) Jahr lang aufs Schreiben zu konzentrieren. Dabei erhält man in der Regel eine Wohnung in der Stadt, die den Preis ausschreibt, sowie ein gutes monatliches Taschengeld – Sinn der Sache ist, sich wirklich mal komplett aufs Schreiben zu konzentrieren, ohne dauernd abgelenkt zu werden oder arbeiten/jobben zu gehen. Im Gegenzug erwartet die Stadt vom Stadtschreiber, sich in gewissem Rahmen im kulturellen Leben vor Ort zu engagieren, bei Veranstaltungen, mit eigenen Lesungen o. Ä.

Die bekanntesten deutschen Stadtschreiber-Stipendien sind die der Städte Mainz, Frankfurt-Bergen-Enkheim, Dresden und Otterndorf. Die Liste der ehemaligen Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber allein dieser vier Orte ist lang, darunter finden sich Namen wie Ilija Trojanow, Wolfgang Koeppen, Jurek Becker, Katja Lange-Müller, Feridun Zaimoglu, Judith Schalansky, Finn-Ole Heinrich und Guntram Vesper.

Weitere deutsche Städte, die sich regelmäßig eine Stadtschreiberin oder einen Stadtschreiber leisten, sind Bayreuth, Bernburg, Eisenbach, Erfurt, Gotha, Halle (Saale), Hausach, Magdeburg, Mannheim, München, Ranis, Rheinsberg, Rottweil, Soltau, Sylt, Trier, Tübingen und Unna. In Österreich sind u. a. Salzburg und Graz dabei, in der Schweiz Zürich.

Etwas ganz Besonderes hat sich die Stadt Oldenburg ausgedacht. Dort gibt es das erste virtuelle Stadtschreiber-Stipendium Deutschlands:

Es wird im Internet geschrieben. Als Logbuch. Als Blog. Als BLogbuch. Auf eine Residenzpflicht wird dabei bewusst verzichtet.

Seit 2011 gibt es das Stipendium, und es ist zumindest eine interessante Idee, die dem Stadtschreibertum eine ganz moderne Form gibt.

Und wie wird man nun Stadtschreiber? In der Regel entscheidet eine Jury über die Vergabe. Bei den „großen Vier“ hat man kaum eine Chance, wenn man nicht schon ein entsprechendes Portfolio aufzuweisen hat. Doch bei vielen kleineren Städte mit Stadtschreiber-Stipendium lohnt es sich, einfach mal die Augen offen zu halten – hier gibt es ganz reguläre Ausschreibungen, auf die sich jeder, der schreibt, bewerben kann.

2 Gedanken zu “Endlich mal Zeit zum Schreiben: Stadtschreiber-Stipendien

  1. Sicher können in der Listung nicht alle Stadtschreiber-Stipendien genannt werden. Trotzdem: Es gibt eine – zu Unrecht – wenig wahrgenommene Stadt, die seit 2013 ebenfalls Stadtschreiber-Stipendien auslobt: Magdeburg. Auf dem Weg zur Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt“ legt sich die Stadt ins Zeug mit unzähligen Aktionen und Aktivitäten, so kürzlich mit einem Stand auf der Leipziger Buchmesse, an dem 40 regionale Autoren gelesen haben, während andere Städte das Feld dem Stadtmarketing überlassen haben und Autoren so gut wie nicht vorkamen.
    Stadtschreiber in Magdeburg waren bisher: Bernd Wagner, Anja Tuckermann, Peter Wawerzinek. Im März hat der aktuelle Stadtschreiber, Werner Fritsch, sein Amt in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts und Stadt Otto des Großen angetreten.

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