Figuren-/Psychologie

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Wenn man interessante und glaubwürdige literarische Figuren erschaffen will, muss man sich zwangsläufig mit der Psyche seiner Charaktere auseinandersetzen. Nicht von ungefähr findet man in zahlreichen Biografien bekannter Autorinnen und Autoren einen Hinweis darauf, dass sie sich mehr oder weniger intensiv mit dem Feld der Psychologie beschäftigt haben. Ein paar Beispiele gefällig?

Peter Stamm („Weit über das Land“), Knut Faldbakken („Ein unmoralisches Angebot“), Chris Cleave („Gold“), Elke Pistor („Treuetat“), Fay Weldon („Die Teufelin“) und Ulf Erdmann Ziegler („Nichts Weißes“) haben allesamt Psychologie studiert. Wulf Dorn („Die Nacht gehört den Wölfen“) war zwanzig Jahre lang in der Psychiatrie tätig, und Dennis Lehane („Shutter Island“) arbeitete eine Zeitlang als therapeutischer Berater u. a. für geistig Behinderte.

Die berühmteste Autorin psychologischer Thriller, Patricia Highsmith, hatte beruflich nichts mit der Psychologie zu tun – dafür aber privat umso mehr: Bereits mit 8 Jahren las sie das Buch The Human Mind des Psychiaters Karl A. Menninger. Highsmith selbst dazu:

Darin gab es Fallbeispiele von Kleptomanen, Pyromanen und Serienmördern. (…) Dass es sich im Buch um reale Fälle handelte, machte es so interessant (…). Ich erfuhr, dass solche Menschen nach außen hin äußerlich völlig normal aussehen, und mir wurde klar, dass auch ich von solchen Menschen umgeben sein könnte.

Tatsächlich sind es oft die psychologischen Grenzfälle, die besonders interessant sind und die es näher zu betrachten lohnt, auch und gerade wenn man keine Krimis oder Thriller schreibt. So kann man sich auch davon lösen, seine Figuren ständig mit der eigenen psychischen Disposition aufzuladen; irgendwo sollte auch das autobiographische Schreiben seine Grenzen haben. Und es wird noch spannender, sich neue Menschen auszudenken, eben mit allem Drum und Dran.

Mein Tipp: Als Nächstes einfach mal ein Buch über reale Fälle aus der Psychiatrie lesen – oder einen Thriller von Patricia Highsmith.

Ein Gedanke zu “Figuren-/Psychologie

  1. Hat dies auf Schreiben beflügelt ! rebloggt und kommentierte:

    Weg vom Biografischen, hin zum Literarischen: Hier wieder ein Hinweis zur Psychologie der Figuren von Cornelius Hartz. Psychologisch denken heißt für den Autor nicht, nur verkopft zu sein:
    Denn alle psychischen Merkmale sind zwar laut Patricia Highsmith zunächst nicht zu entdecken, müssen aber an irgendeinem Punkt in der Story doch zu spüren sein; mit kleinen Hinweisen, die rückblickend den Eklat schon hätten prophezeien können. Für den Autor heißt das, dass er sich nicht nur hineindenkt, sondern auch hineinspürt in seine Figur, oder Charakteristika beobachtet. Bestimmt fallen Ihnen beim Lesen noch mehr Autoren ein, deren Bezug zur Psychologie anhand ihrer Figuren spürbar wird!

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