Meine 10 Lieblingsbücher 2016

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Auch Ende dieses Jahres bleibt die Feststellung aktuell wie eh und je: Um schreiben zu können, muss man lesen. Daher hier wieder mein Resümee, welche zehn Romane* mir 2016 am besten gefallen haben**, auch im Hinblick darauf, dass sie mein eigenes Schreiben inspiriert haben und weiter inspirieren werden:

  • Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff (Kiepenheuer & Witsch)
  • Der Goldene Handschuh von Heinz Strunk (Rowohlt)
  • Der Pfau von Isabel Bogdan (Kiepenheuer & Witsch)
  • Die Toten von Christian Kracht (Kiepenheuer & Witsch)
  • Die Welt im Rücken von Thomas Melle (Rowohlt)
  • Ich hasse dieses Internet von Jarett Kobek (S. Fischer)
  • Oh Schimmi von Teresa Präauer (Wallstein)
  • Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre (Kiepenheuer & Witsch)
  • Tony Soprano stirbt nicht von Antonia Baum (Hoffmann und Campe)
  • Und doch ist es Heimat von Jochen Metzger (Kindler)

Am meisten beeindruckt hat mich in diesem Jahr, in jeder Hinsicht, der Goldene Handschuh von Heinz Strunk. Ich habe bisher alles von ihm gelesen und gehört, aber jetzt, Jahre nach dem Fleisch-ist-mein-Gemüse-Hype und nach mehreren völlig unterbewerteten Romanen mit einem solchen Werk auf den Markt zu kommen, ist auch für einen Ausnahmekünstler wie Strunk erstaunlich. Einer Figur wie Fritz Honka eine solche Empathie entgegenzubringen und trotzdem kein grausiges Detail auszulassen, ist etwas, das den wenigsten Schreibenden gegeben ist. Bei Strunk bin ich übrigens zum ersten Mal bewusst nicht auf eine Lesung gegangen, nachdem ich einen TV-Beitrag über eine seiner Handschuh-Lesungen sah, bei der das Publikum ständig lachte – klar, der Strunk, der ist doch so witzig, das ist doch jetzt auch witzig gemeint, oder? Nein, ist es nicht, ich fand das Buch von vorne bis hinten todtraurig und todernst. Es ist genau eine witzige Stelle darin, die ganz offensiv für comic relief sorgt. Das dann in so einem Publikum zu hören? (Gut, kann auch sein, dass manche in der Öffentlichkeit nicht anders mit einem Text, der dermaßen ins Mark trifft, umgehen können, als zu lachen.)

Die drei großen Überraschungen für mich 2016 waren Ich hasse dieses Internet von Jarett Kobek (endlich geht mal jemand eigene, neue, zeitgemäße Wege in Sachen Literatur), Christian Krachts Die Toten (eine Bewegung – wenn man so will – in die Kobek emtgegengesetzte Richtung, mit einer Prosa von vorgestern, in der Wörter wie „Abort“ alles andere als fehl am Platze sind, und Sätzen, Formulierungen, Bildern, in die ich mich geradezu reinsetzen könnte) und Isabel Bogdans Pfau (eine feinhumorige Groteske, bei der auf ganz mannigfaltige Weise, motivisch, inhaltlich und sprachlich, alt auf neu trifft; ein großer Freund der indirekten Rede bin ich ohnehin).

Gewohnt großartig: die neuen Romane von Teresa Präauer und Thomas Melle – schade, dass er nicht den Deutschen Buchpreis bekommen hat, den hätte ich diesem Buch sehr gewünscht. Von Stuckrad-Barre endlich mal wieder etwas, das mich absolut begeistert hat – zum ersten Mal seit, glaube ich, Livealbum. Ganz großartig aber auch Antonia Baums Familien-Mikrodrama und last, not least Und doch ist es Heimat von Jochen Metzger, der auf ganz berührende Weise ein kaum bekanntes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte beschreibt.

Über Meyerhoff braucht man, glaube ich, inzwischen gar nichts mehr zu sagen.

Wenigstens in literarischer Hinsicht war 2016 ein gutes Jahr.

(* Drei dieser Bücher sind offen autobiographisch, zwei haben nicht einmal „Roman“ vorne draufstehen, und eines tauchte in der SPIEGEL-Sachbuch-Bestsellerliste auf. Aber meiner Definition nach handelt es sich auf jeden Fall trotzdem um Romane. Demnächst vielleicht mehr dazu.
** Wieder liegt hier ein großer Stapel ungelesener Bücher herum, die es schon deshalb nicht auf die Liste geschafft haben, weil ich noch nicht reingucken konnte, die aber wie heiße Anwärter wirken, u. a. The Girls von Emma Cline, Weil wir längst woanders sind von Rasha Khayat oder Nach einer wahren Geschichte von Delphine de Vigan.)

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