Drei Fragen an die Lektorin: Nadya Hartmann (FVA)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Vor dem Schreiben kommt das Lesen. Lest viel und Unterschiedliches, folgt euren Interessen und eurer Intuition. Dann aber: Konzentriert euch aufs Schreiben, auf euren Text: die Sprache, die Figuren, die Dramaturgie. Genießt die Zweisamkeit mit dem Text – und haltet sie auch aus. Prüft, ob ihr das Potential dessen, was ihr als euer Vorhaben betrachtet, ausgeschöpft habt. Erst dann und/oder wenn ihr das Gefühl habt, ihr kommt allein nicht weiter, gebt den Text raus. Lasst euch von der Kritik nicht einschüchtern. Nehmt jene Kritikpunkte ernst, die sich aus der eurem Text inhärenten Logik heraus begründen lassen. Nehmt euren Text ernst, ansonsten könnt ihr nicht erwarten, dass euer Gegenüber es tut. Nehmt euch selbst nicht zu ernst. Und schlussendlich: Legt euch eine – semipermeable – Elefantenhaut zu. Die Entscheidung, was ihr durchlasst und was nicht, liegt bei euch.[1]

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Ich persönlich sehe mir zunächst das Anschreiben sehr genau an – wie reflektiert ist die Autorin bzw. der Autor, wie genau hat diejenige bzw. derjenige sich mit dem Verlag auseinandergesetzt, in welchem Stil ist es verfasst. Das Exposé nehme ich mir in der Regel erst im letzten Schritt vor, um möglichst unvoreingenommen und mit frischem Blick an den Text herantreten zu können. Ein guter Text muss sich aus sich selbst heraus erklären. Wenn das funktioniert, kann das Exposé im Nachklapp natürlich dennoch sehr hilfreich sein, vor allem, wenn nur ein Auszug und nicht das gesamte Manuskript vorliegt.

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Aus Loyalität meinen Autorinnen und Autoren gegenüber gilt hier: Als Lektor*in muss man in den richtigen Momenten auch schweigen können.

 

Nadya Hartmann ist Lektorin der Frankfurter Verlagsanstalt.

 

[1] Diese Ratschläge gelten lediglich für (literarisch anspruchsvolle) Belletristik, es mag sein, dass sie für Sachbuch- und Krimiautorinnen und -autoren sowie für Autorinnen und Autoren von Unterhaltungsliteratur vollkommen fehlleitend sind.

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