Drei Fragen an den Lektor: Oskar Rauch (Heyne)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Machen Sie sich das Schreiben zur Gewohnheit. Fangen Sie sofort damit an. Zerbrechen Sie sich anfangs nicht den Kopf über Sprache und Stil. Ahmen Sie nach, was Ihnen gefällt. Probieren Sie aus, haben Sie Spaß. Erst wenn Sie nicht mehr zu stoppen sind, kommt das Handwerk an die Reihe.

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Zwar wird jedes eingesandte Manuskript auch angesehen, die Erfolgsaussichten für unverlangte sind jedoch gering. Aus meinen sechs Jahren als Lektor weiß ich von genau einem Fall, in dem es zur Veröffentlichung kam. Der Weg in den Verlag führt meist über andere Stationen: Empfehlungen, Preise, Stipendien, Zeitungsartikel oder Literaturagenten. Letztere sind im Idealfall gut vernetzt und wissen, welcher Lektor in welchem Verlag wonach sucht. So landet Ihre poetische Liebesgeschichte nicht beim Experten für Serienkillerromane.

Aber auch ein „verlangtes“ Manuskript sollte einen professionellen Eindruck machen.  Dazu braucht es nicht viel: ein kurzes Anschreiben, die wichtigsten Informationen zu Inhalt und Autor, eventuell Zielgruppe oder Vergleichsautoren; vor allem aber ein weitgehend fehlerfreies, möglichst vollständiges Manuskript. Wenn Sie nur ein Teilmanuskript anbieten können, sollten Sie einen Ausblick auf die weitere Handlung geben. So sieht der prüfende Lektor, dass Sie Ihre Geschichte unter Kontrolle haben und nicht blindlings drauflosrennen.

Wer oder was war für Sie die größte literarische Entdeckung der letzten Jahre?

Angesichts der Flut an Texten kann es DIE eine Entdeckung gar nicht geben. Ein besonderes Buch für mich war sicherlich Marlon James’ Eine kurze Geschichte von sieben Morden – ein gewaltiger, überbordender Jamaika-Roman, der das Attentat auf Bob Marley im Dezember 1976 zum Zentrum hat, thematisch aber nach allen Richtungen austreibt. Es hat unheimlich Spaß gemacht, daran zu arbeiten, weil es einfach so viel zu entdecken gab.

Angehenden Autoren, die nicht zu zart besaitet sind, empfehle ich übrigens James’ Debütroman Der Kult, der im Mai auf Deutsch erscheint. James schafft es, mit simplen Mitteln eine Menge Spannung aufzubauen. Zudem ist der Roman stimmungsvoll und raffiniert strukturiert. Da kann man sich einige Kniffe abschauen.

Oskar Rauch ist Lektor bei Heyne Hardcore.

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