Schreib, Gruppe, schreib!

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Autorinnen und Autoren sind Einzeltäter. Egal, ob man hauptberuflich schreibt oder morgens von fünf bis sieben vor dem Brot-Job: In aller Regel sitzt man beim Schreiben allein vor dem Rechner oder Laptop. Das ist für den kreativen Prozess oft durchaus förderlich, und das Schreiben an sich ist natürlich ohnehin ein Vorgang, bei dem einem in der Regel keiner helfen kann. Trotzdem kann ich nur jeder und jedem raten, sich Gleichgesinnte zu suchen, mit denen man sich austauschen kann. Im besten Fall: eine Schreibgruppe.

Wie wichtig die Vernetzung mit anderen Schreibenden und mit Menschen aus der Buchbranche ist, ist schon fast ein alter Hut. Bei der Schreibgruppe aber bekommt man die positiven Effekte dieser  Vernetzung sofort zu spüren. Natürlich kann man sich auch im Netz mit anderen Schreibenden austauschen, aber viele Effekte sind größer, wenn man sich tatsächlich persönlich trifft.

Wie oft, spielt keine allzu große Rolle, doch wenn man nur alle Jubeljahre zusammenkommt, kann es sein, dass man sich allzu schnell dann doch wieder allein gelassen fühlt. Ein „jour fixe“ an einem festgelegten Tag einmal im Monat bietet sich an, den können die meisten Menschen im ihren Alltag erfahrungsgemäß gut einplanen. Und nach einem Monat hat man meist Zeit genug gehabt, um wieder etwas Neues zu schreiben, was man besprechen möchte, oder Altes zu überarbeiten.

Allein tut man sich oft schwer. Gemeinsam ist man stärker.

TV-Werbung, WWK Versicherungen, 1989

Was man dann genau mit „Besprechen“ meint, ist natürlich jeder Gruppe selbst überlassen – wenn man schon Leute findet, die ähnlich ticken und mit denen man sich regelmäßig treffen will, ergibt sich meistens auch ein Vorgehen, das allen zusagt. Es gibt Schreibgruppen, die sich am Prozedere der Gruppe 47 orientieren, das heißt: Man liest einen Text vor, und die anderen kritisieren ihn reihum, wobei man selbst erst einmal zuhören muss und seinen Text erst nach Abschluss der Kritik „verteidigen“ darf.

Wer keine so starren Regeln möchte, wird ein anderes Vorgehen finden, doch einen Tipp kann man immer geben: Es ist stets eine gute Idee, seinen Text nicht nur als Ausdruck zu verteilen, sondern tatsächlich auch selbst vorzulesen – beim lauten Lesen nimmt man den eigenen Text nämlich immer anders wahr als auf dem Bildschirm oder auf dem Papier. Und dabei stößt man oft z. B. auf Formulierungen, die seltsamer klingen, als man es geplant hatte, oder merkt, dass der eine oder andere Satz doch sperriger ist als gedacht – oder  nicht sperrig genug.