Praxis: Figurennamen

Eine Frage, die mir bei Lesungen immer wieder gestellt wird, ist: Wie kommen Sie eigentlich auf die Namen? Im Grunde ist die ehrliche Antwort darauf die gleiche wie auf die Frage danach, woher ich die eine oder andere Idee des Plots hatte: Keine Ahnung. Das kommt irgendwoher, es ist einfach die Inspiration, wie auch immer. Trotzdem kann ich ein paar Worte zu den Namen meiner Figuren sagen. Weiterlesen

Praxis: Figurenzeichnung

In meinem neuen Roman habe ich mehr als sonst darauf verzichtet, dem Leser zu erklären, wie meine Protagonisten aussehen. Man erfährt nur ihr Alter und ihre Haarfarbe. Ich persönlich habe festgestellt, dass mir genauere Beschreibungen der Figuren beim Lesen gar nicht helfen. Im Gegenteil: Manchmal zeichne ich mir schon ein Bild im Kopf von einer Figur, und dann kommt auf einmal eine detaillierte Beschreibung, die gar nicht genau zu dem passt, was ich im Kopf habe.

Klar, wenn der Protagonist so dick ist, dass er in bestimmten Situationen körperliche Schwierigkeiten bekommt, dann muss der Leser das erfahren. Aber ob die Protagonistin da oder dort ein Grübchen hat, muss ich als Leser nicht wissen. Es sei denn, das Grübchen wird wichtig für die Handlung, die psychische Disposition der Figur o. Ä. Und das ist doch eher selten der Fall. In der Regel will mir der Autor nur sagen: Ich weiß exakt, wie sie aussieht, und du sollst das gefälligst genauso sehen. Und in dem Fall kann man getrost sagen: Dann dreh doch einen Film!

Praxis: Adjektive vermeiden

Adjektiv und Adverb, dieses Duo infernale, sind der natürliche Feind des Leseflusses. Es ist ja sehr schön, dass Sie Ihrem Leser alles ganz genau erklären und zeigen wollen. Aber was liest sich angenehmer:

Maria saß schweißgebadet in dem riesigen Jumbojet und starrte panisch auf die nüchterne Anzeige, die ihr in roter Schrift befahl, sich umgehend anzuschnallen.

oder:

Maria saß im Jumbojet und starrte panisch auf die Anzeige, die ihr befahl, sich anzuschnallen. Weiterlesen

Praxis: Ausrufezeichen

„Ja, ja, ich hab’s ja schon verstanden“ – möchte man manchem Autor beim Lesen immer wieder zurufen, wenn er einem die Ausrufezeichen um die Ohren haut. Das Ausrufezeichen ist das Satzzeichen, mit dem man als Autor generell am sparsamsten umgehen sollte. Ein guter Anhaltspunkt ist ein Dogma von Elmore Leonard: Pro 100.000 Wörtern Prosa, so Leonard, soll man nicht mehr als Weiterlesen

Praxis: die Hörspiel-Falle

„Mr. Wilkes!“
„M-hm. Der Hausherr. Und ich habe eine Pistole in der Hand.“

Diese unvergessenen Zeilen stammen aus Die drei ??? und der tanzende Teufel (1980), wohlgemerkt dem Hörspiel, nicht dem Buch von William Arden. Wer in Deutschland jünger ist als Jahrgang, sagen wir mal, 1970, ist in der Regel mit Hörspielen aufgewachsen. Von den Fünf Freunden in den 70ern über TKKG in den Achtzigern bis hin zu Benjamin Blümchen und Bibi & Tina. Das gilt auch für die meisten Autorinnen und Autoren, und natürlich verarbeiten Weiterlesen

Praxis: Muss es denn immer die Ich-Perspektive sein?

Vor allem bei vielen Texten sehr junger Literaten, die ich so zu sehen bekomme, fällt mir immer wieder auf, dass die Ich-Perspektive extrem hoch im Kurs liegt. Warum das so ist, mag viele Gründe haben. Kann sein, dass es geradezu naheliegt, wenn man zu Papier bringen möchte, was einen so beschäftigt. Steigt man sozusagen um vom Tagebuchschreiben auf das fiktionale Schreiben, ist der Übergang noch „fließender“.

Trotzdem: Die Ich-Perspektive birgt meiner Ansicht nach auch ein paar Gefahren, allen voran, dass man sich selbst – gerade als angehender Autor – allzu wichtig nimmt Weiterlesen

Praxis: kurz anfangen

Sicherlich, im Literaturbetrieb, gerade im kommerziellen, spielen Kurzgeschichten und Erzählungen kaum eine Rolle. Auf den Belletristik-Bestsellerlisten und auf den Tischen der Buchhandlungen findet man im Grunde genommen nur Romane (per Definition: fiktionale Texte von mehr als 120 Seiten Umfang). Dennoch sollte man sich, gerade als Anfänger, nicht sofort auf die lange Form stürzen, sondern mit kürzerer Prosa anfangen. Als „Fingerübung“ ist eine kurze Erzählung viel besser geeignet als ein riesiges Werk, an dem man u. U. mehrere Jahre sitzt – man kann seinen Stil ausprobieren, einen Plot entwickeln, der keine 200 Seiten oder mehr tragen muss, und auch Dinge wie Dialoggestaltung üben. Und man bekommt schneller gutes Feedback. Vor allem in Internetforen erhält man weitaus mehr Reaktionen, mit denen man etwas anfangen kann, wenn man eine kurze Erzählung einstellt, als bei einer Leseprobe aus einem Roman. Für die Leser ist etwas Abgeschlossenes zu diesem Zeitpunkt meist ohnehin interessanter.

Obendrein kann man eine kurze Erzählung gut bei Lese-Events vortragen oder versuchen, sie in Literatur-Zeitschriften zu veröffentlichen. Und es gibt zahlreiche entsprechende Wettbewerbe und auch Stipendienprogramme wie das LiLaWo, wo sich Kurzprosa gut für eine Bewerbung eignet.

Natürlich kann es auch hier nicht schaden, sich inspirieren zu lassen bzw. durch viel, viel Lektüre ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man eine kurze Geschichte oder eine Kurzgeschichte (das ist durchaus ein Unterschied!) aufbaut und schließlich selbst schreibt. Neuere Bände mit großartiger kürzerer Prosa und Erzählungen gibt es z. B. von Finn-Ole Heinrich, Julia Schoch oder Michael Weins. Oder aber man orientiert sich ganz klassisch (und gratis im Netz), z. B. bei Kafka oder Poe.

Praxis: Dialog

Dialoge sind beim Schreiben von Prosa meist von ganz zentraler Bedeutung. Sie eignen sich gut dazu, die Handlung voranzutreiben, und sie sorgen für einen guten Lesefluss. Aber gerade beim Schreiben von Dialogen gibt es eine Reihe Fallstricke. Und das fängt bei ganz formalen Dingen an – wie der nun folgende Dialog zeigen soll.

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„Ich finde das super. Ich kann hier reden und reden, und die Inquit-Formel kommt erst ganz am Ende. Das mag ich, das sieht klasse aus, als hätte ich ganz viel zu Weiterlesen