Praxis: Inquit-Formeln

„Nicht schon wieder“, sagte sie.

„Doch“, rieb er sich die Augen, „und wie.“

„Aber das ist doch Quatsch“, sagte sie.

„Was ist Quatsch?“, sah er sie mit großen Augen an.

„Deine Inquit-Formeln“, sagte sie.

„Meine … was?“, runzelte er die Stirn.

„Na, die Inquit-Formeln“, sagte sie, „das, was beim Dialog, bei der wörtlichen Rede, anzeigt, wer gerade spricht.“

„Und was ist so schlecht an meinen Inquit-Formeln?“, hob er die Weiterlesen

Show, don’t tell

Dieses Schlagwort hört man immer wieder. Es gehört zu den goldenen Regeln, die man in jedem Schreibratgeber liest. Aber was soll einem das eigentlich genau sagen? Und darf man nicht hier und da doch lieber „tellen“, wenn einem nicht so nach „showen“ ist?

Grundsätzlich geht es darum, dass man dem Leser Informationen vermitteln möchte. Das ist wohl bei jeder Art Text der Fall. Die Herausforderung, aber auch der große Vorteil von literarischen Texten jedoch ist es, dass man als Autor dem Leser diese Informationen nicht vorsetzen muss wie dem Hund sein Chappi (dann wäre man nämlich bei der Bildzeitung). Sondern dass uns zahllose Möglichkeiten zur Verfügung stehen, dies auf andere Art und Weise zu tun.

Warum werden diese Möglichkeiten dann aber (vor allem von Anfängern) oft nicht genutzt? Logisch: Weil es anstrengender ist, sich Gedanken zu machen über das, was man schreiben möchte und wie man es schreibt, als es einfach nur zu schreiben.

Aber Literatur entsteht halt nicht durch „Runterschreiben“. Sie entsteht durch Überlegung und Überarbeitung.

Eine Lektorin aus einem großen Kinder- und Jugendbuchverlag sagte mir einmal: „Kinder denken nicht.“ Das war gar nicht böse gemeint, sondern es ging wieder einmal um „Show, don’t tell“ – sie sagte, sie würde einen Satz wie: „Jonas wurde ganz traurig“ immer ändern wollen zu: „Jonas lief eine Träne übers Gesicht.“ Und wenn ich ehrlich bin, gefällt mir die zweite Variante in jedem Fall besser, nicht nur im Jugendbuch.

Eine Möglichkeit, die allzu platte Übermittlung von Informationen zu vermeiden, ist wichtige Elemente der Handlung in die Dialoge zu legen. Das birgt dann höchstens wieder die Gefahr, dass man in die „Hörspielfalle“ tappt.

Was aber, wenn man gar keine Dialoge schreiben will und sich auch sonst eher von außen seinen Figuren und seinem Plot nähern möchte? Da wir ja beim Schreiben alles dürfen und auch gegen jede Regel verstoßen können, so wir sie denn kennen, spricht natürlich nichts dagegen. Wir sollten uns aber immer und jedes Mal überlegen: Muss der Leser das, was wir ihm jetzt hier mitteilen, eigentlich wissen? Bzw. muss er es so genau wissen?

Im Zweifelsfall sollte man immer Voltaire im Hinterkopf haben, der einmal sagte: „Der Schlüssel dazu, ein Langweiler zu sein, ist, alles zu verraten.“

Regeln vs. Kunst

Kunst hat schon immer gegen Regeln verstoßen, das darf sie, das muss sie, sonst würde sie sich nicht weiterentwickeln. Das gilt auch und gerade für die Literatur, und jeder, der z. B. gerne mit Adjektiven um sich schmeißt oder der Dialoge gerade so bauen möchte, dass ihre Struktur den Leser verwirrt, der kann das natürlich alles machen – auch gegen meinen ausdrücklichen Ratschlag. Denn: Regeln sind (zumindest in der Kunst) durchaus dazu da, gegen sie zu verstoßen.

Dazu muss man sie aber erst einmal kennen. Ein Beispiel aus der Musik: Helge Schneider ist ein exzellenter Musiker, und nur wer ein Instrument sehr, sehr gut beherrscht, der kann auch so darauf spielen, dass es furchtbar schräg klingt – aber dennoch einen gewissen künstlerischen Mehrwert hat. Und nicht einfach nur scheiße um seiner selbst willen.

Überhaupt macht es ja auch viel mehr Spaß, gegen ein Verbot zu verstoßen, von dem man weiß. Alles andere ist einfach zu wischi-waschi.

Praxis: die Hörspiel-Falle

„Mr. Wilkes!“
„M-hm. Der Hausherr. Und ich habe eine Pistole in der Hand.“

Diese unvergessenen Zeilen stammen aus Die drei ??? und der tanzende Teufel (1980), wohlgemerkt dem Hörspiel, nicht dem Buch von William Arden. Wer in Deutschland jünger ist als Jahrgang, sagen wir mal, 1970, ist in der Regel mit Hörspielen aufgewachsen. Von den Fünf Freunden in den 70ern über TKKG in den Achtzigern bis hin zu Benjamin Blümchen und Bibi & Tina. Das gilt auch für die meisten Autorinnen und Autoren, und natürlich verarbeiten Weiterlesen

Der unterschätzte Leser

Ich verrate jetzt nicht, welches Buch ich gerade lese – das fände ich dann doch etwas ungerecht, denn mit dem Roman stimmt schon das meiste. Aber immer wieder wird darin gegen eine ganz wichtige Regel verstoßen: Man darf den Leser nicht unterschätzen.

Nicht, dass dort die ganze Zeit besonders simple Sachverhalte dargestellt würden, es ist vielmehr so, dass hin und wieder Dinge erklärt werden, die für die meisten Leser sicherlich keiner Erklärung bedürfen, und das entweder kommentierend durch den Erzähler oder – was noch seltsamer wirkt – im Dialog.

Das sieht dann in etwa so aus:
„Ich sehe mal bei Facebook nach.“ Sie rief die Webseite des weltgrößten Social-Media-Netzwerks auf.
Oder so:
„Ich sehe mal bei Facebook nach, dem großen Social-Media-Netzwerk.“

Mag sein, dass der Autor glaubt, seine Zielgruppe sei deutlich im Rentenalter angesiedelt. Doch selbst wenn man als Autor davon ausgeht, dass ein Leser oder eine Leserin vielleicht nicht weiß, wer oder was Facebook ist, so ist er oder sie durchaus in der Lage, sich darüber zu informieren. So viel sollte man seinen Lesern schon zutrauen.

Praxis: Dialog

Dialoge sind beim Schreiben von Prosa meist von ganz zentraler Bedeutung. Sie eignen sich gut dazu, die Handlung voranzutreiben, und sie sorgen für einen guten Lesefluss. Aber gerade beim Schreiben von Dialogen gibt es eine Reihe Fallstricke. Und das fängt bei ganz formalen Dingen an – wie der nun folgende Dialog zeigen soll.

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„Ich finde das super. Ich kann hier reden und reden, und die Inquit-Formel kommt erst ganz am Ende. Das mag ich, das sieht klasse aus, als hätte ich ganz viel zu Weiterlesen