Praxis: Figurenzeichnung

In meinem neuen Roman habe ich mehr als sonst darauf verzichtet, dem Leser zu erklären, wie meine Protagonisten aussehen. Man erfährt nur ihr Alter und ihre Haarfarbe. Ich persönlich habe festgestellt, dass mir genauere Beschreibungen der Figuren beim Lesen gar nicht helfen. Im Gegenteil: Manchmal zeichne ich mir schon ein Bild im Kopf von einer Figur, und dann kommt auf einmal eine detaillierte Beschreibung, die gar nicht genau zu dem passt, was ich im Kopf habe.

Klar, wenn der Protagonist so dick ist, dass er in bestimmten Situationen körperliche Schwierigkeiten bekommt, dann muss der Leser das erfahren. Aber ob die Protagonistin da oder dort ein Grübchen hat, muss ich als Leser nicht wissen. Es sei denn, das Grübchen wird wichtig für die Handlung, die psychische Disposition der Figur o. Ä. Und das ist doch eher selten der Fall. In der Regel will mir der Autor nur sagen: Ich weiß exakt, wie sie aussieht, und du sollst das gefälligst genauso sehen. Und in dem Fall kann man getrost sagen: Dann dreh doch einen Film!

Praxis: die Hörspiel-Falle

„Mr. Wilkes!“
„M-hm. Der Hausherr. Und ich habe eine Pistole in der Hand.“

Diese unvergessenen Zeilen stammen aus Die drei ??? und der tanzende Teufel (1980), wohlgemerkt dem Hörspiel, nicht dem Buch von William Arden. Wer in Deutschland jünger ist als Jahrgang, sagen wir mal, 1970, ist in der Regel mit Hörspielen aufgewachsen. Von den Fünf Freunden in den 70ern über TKKG in den Achtzigern bis hin zu Benjamin Blümchen und Bibi & Tina. Das gilt auch für die meisten Autorinnen und Autoren, und natürlich verarbeiten Weiterlesen

Praxis: Muss es denn immer die Ich-Perspektive sein?

Vor allem bei vielen Texten sehr junger Literaten, die ich so zu sehen bekomme, fällt mir immer wieder auf, dass die Ich-Perspektive extrem hoch im Kurs liegt. Warum das so ist, mag viele Gründe haben. Kann sein, dass es geradezu naheliegt, wenn man zu Papier bringen möchte, was einen so beschäftigt. Steigt man sozusagen um vom Tagebuchschreiben auf das fiktionale Schreiben, ist der Übergang noch „fließender“.

Trotzdem: Die Ich-Perspektive birgt meiner Ansicht nach auch ein paar Gefahren, allen voran, dass man sich selbst – gerade als angehender Autor – allzu wichtig nimmt Weiterlesen