Schreib, Gruppe, schreib!

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Autorinnen und Autoren sind Einzeltäter. Egal, ob man hauptberuflich schreibt oder morgens von fünf bis sieben vor dem Brot-Job: In aller Regel sitzt man beim Schreiben allein vor dem Rechner oder Laptop. Das ist für den kreativen Prozess oft durchaus förderlich, und das Schreiben an sich ist natürlich ohnehin ein Vorgang, bei dem einem in der Regel keiner helfen kann. Trotzdem kann ich nur jeder und jedem raten, sich Gleichgesinnte zu suchen, mit denen man sich austauschen kann. Im besten Fall: eine Schreibgruppe.

Wie wichtig die Vernetzung mit anderen Schreibenden und mit Weiterlesen

Drei Fragen an die Lektorin: Nadya Hartmann (FVA)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Vor dem Schreiben kommt das Lesen. Lest viel und Unterschiedliches, folgt euren Interessen und eurer Intuition. Dann aber: Konzentriert euch aufs Schreiben, auf euren Text: die Sprache, die Figuren, die Dramaturgie. Genießt die Zweisamkeit mit dem Text – und haltet sie auch aus. Prüft, ob ihr das Potential dessen, was ihr als euer Vorhaben betrachtet, ausgeschöpft habt. Erst dann und/oder wenn ihr das Gefühl habt, ihr kommt allein nicht weiter, Weiterlesen

Die lieben Kritiken

Kritiken und Kritiker – das ist ein Thema, das die meisten, die schreiben (bzw. etwas schreiben, von dem sie möchten, dass andere es lesen), gleich von Anfang an beschäftigt. Und es kommt mir immer wieder so vor, als ob Schriftstellerinnen und Schriftsteller schlechte Kritiken härter treffen und sie sie persönlicher nehmen als andere Kunstschaffende.

Das kann natürlich daran liegen, dass ich mehr mit Leuten zu tun habe, die schreiben, als mit Musikerinnen oder Schauspielern. Aber vielleicht ist der Grund auch ein anderer: Als Autor fließt das, was man im Kopf hat, direkt und ungefiltert auf die Seite. Man braucht dafür kein Instrument, nicht einmal die eigene Stimme, kein Regisseur muss es verfilmen – was auch dazu führt, dass man niemand anderem die Schuld an einer schlechten Inszenierung oder einem schrägen Arrangement in die Schuhe schieben kann. Man nimmt auch nicht den Umweg über Pinsel und Farbe: Die Buchstaben auf dem Papier (meinetwegen auch auf dem eBook) sind, von Font-Varianten abgesehen, alle gleich. Das, was da steht, ist man selbst, ob man will oder nicht. (Gut, meist greift dann noch ein Lektorat ein, aber das ändert selten so viel an einem Text, dass er nicht mehr man selbst „ist“ – dazu aber später einmal mehr.)

Mein erster Roman, „Excrucior“, hatte gute Kritiken, auch in der Presse, und trotzdem – die einzige, die ich wörtlich zitieren kann, ist eine 1-Sterne-Rezension bei Amazon. Erstaunlicherweise steht in dieser Rezension der Satz: „Man spürt mit jeder Zeile, wie wichtig der Autor sich, sein Büchlein und seinen Protagonisten nimmt.“ Und da muss ich dem Amazon-User „Leserleser“ dann doch erwidern: Selbstverständlich, es wäre seltsam, wenn nicht.

Das andere große Negativerlebnis meiner Anfänge als Autor war die erste Lesung aus „Excrucior“ in einem Café bei uns an der Uni. Es war voll, ich war gerade erst aus Hamburg weg, und so kannte ich viele Gesichter – nur eines nicht, das beim anschließenden Q&A aufstand und sagte: „Also, für mich ist das ja alles eher gehobene Pennäler-Poesie.“ Glücklicherweise (a) war ich schlagfertig genug, zu sagen: „Na, wenigstens ‚gehoben‘“, und (b) waren genug Menschen da, die das Buch und die Lesung gut fanden, um ihn im Gemurmel des Widerspruchs untergehen zu lassen.

Trotzdem: So etwas vergisst man nicht. Ist vielleicht aber auch ganz gut so, denn komplett zufrieden mit dem, was man aufs Papier bringt, ist man, glaube ich, niemals. Aber sonst würde man sich ja auch nicht weiterentwickeln.