Der Verlag und das Buch

Für einen Verlag ist ein Buch in erster Linie ein Produkt. Das muss man sich immer klarmachen, wenn man es mit einem Verlag zu tun hat. Hantieren Verlage wie Suhrkamp und Hanser in Verhandlungen mit Agenturen mit 5-stelligen Vorschuss-Beträgen, wenn es darum geht, einen vielversprechenden neuen Namen an Bord zu holen und die Konkurrenten zu überbieten, so tun sie das einzig und allein deshalb, Weiterlesen

Drei Fragen an den Lektor: Thorsten Ahrend (Wallstein)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

 Neugierig sein, unterwegs sein. Rumgucken, was in der Welt passiert, sich für Biochemie und Mathematik interessieren und für Neurowissenschaften und Pop und Politik und Poststrukturalismus und für die Post, aber die heißt jetzt DHL. Sich für Menschen interessieren, nicht nur für Künstler und Intellektuelle, sondern auch für Menschen, die körperlich arbeiten. Oder auch nicht arbeiten. Na ja, für alles, was in den letzten 2000 Jahren geschehen ist und für alles, was jetzt passiert.

Viel lesen, nicht nur Debütanten, die aber auch. Man selbst sein, ohne sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Feiern, feiern, feiern.

Wie muss ein unverlangt eingesandtes Manuskript aussehen, damit es jemand ansieht?

Es sollte nicht handgeschrieben kommen. Nicht per Einschreiben. Nicht mit einem Weiterlesen

Drei Fragen an die Lektorin: Sabine Baumann (Schöffling)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Ich schließe mich den Kollegen aus den anderen Häusern an und empfehle neben dem regelmäßigen Schreiben, auch wenn gerade kein konkretes Lyrik- oder Romanprojekt ansteht, viel und gründlich zu lesen. Von Klassikern und Zeitgenossen kann man viel lernen. Die Frankfurter Poetikvorlesung ist ebenfalls eine großartige Möglichkeit, sich von den Autoren, die dort über ihr Schreiben Auskunft geben, anregen zu lassen.

Meine Erfahrung ist, dass es beim Schreiben wie im Leben auch sehr Weiterlesen

Kill your darlings!

Lesen Sie sich durch, was Sie geschrieben haben, und wenn Sie eine Passage finden, von der Sie ganz besonders begeistert sind, dann streichen Sie sie!

Diese Worte stammen vom britischen Gelehrten, Schriftsteller und Literaturkritiker Samuel Johnson. Und so absurd sie klingen, so viel Wahres ist dran. Gerade bei den Textstellen, die einem besonders gut gefallen, zeigt sich in der Zusammenarbeit mit einem Lektor oft der (immer wieder diskutierte) Unterschied zwischen dem erfahrenen und dem unerfahrenen Autor: Letzterer kämpft verbissen um jede Weiterlesen

Überarbeiten!

HX6YSHGXRB Camille KimberlyEs ist heute tatsächlich immer mehr so, dass Verlage, selbst große Publikumsverlage, erwarten, dass ein Manuskript, das sie veröffentlichen sollen, schon „druckfertig“ ins Haus kommt. Tatsächlich beschränkt sich das zumeist von externen Lektoren durchgeführte Lektorat heute oft auf ein Korrektorat, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Verlage den externen Lektoren (zumindest deren Auffassung nach) nicht genug zahlen.

Wie dem auch sei, wenn man einen Text fertig geschrieben hat, ist er in den seltensten Fällen eben das: fertig. Für einen Neuling im literarischen Geschäft ist das oft schwerer einzusehen als für „alte Hasen“ – ein Lektor eines großen Literaturverlags erzählte mir einmal, dass er mit den Autoren von Debütromanen mit Abstand die größten Probleme habe. Allzu oft herrscht bei jenen offenbar noch eine Art „Genie“-Gedanke vor, nach dem Motto: Der Text ist ein Teil von mir, da darf mir keiner sagen, dass ich daran etwas ändern soll. Höchstens leichte Vorschläge machen. Aber bitte nicht zu viele. Dass Schreiben auch Handwerk ist, muss man erst einmal lernen.

Man muss nun nicht so weit gehen wie Ernest Hemingway, der der Auffassung war:

„Der erste Entwurf jedes Textes ist Mist.“

Aber dass jemand einen druckfertigen Text hinlegt, an dem nichts mehr zu ändern, zu verbessern, zu überarbeiten ist, das ist selten, vielleicht sogar nie der Fall. Von Stefan Zweig heißt es, er habe von 10 geschriebenen Seiten 8 hinterher wieder verworfen, und von Otfried Preußler ist das schöne Zitat überliefert, der Papierkorb sei „das wichtigste Haustier des Schriftstellers“. Ich persönlich habe nicht einmal nach dem Druck eines Romans das Gefühl, das er fertig ist – bei den ersten Lesungen kritzele ich immer noch mit dem Bleistift im Buch herum, weil ich dies oder das inzwischen anders machen würde. Umso mehr gilt das für die Erstfassung. Chris Baty, der Schöpfer des National Novel Writing Month, hat nicht ganz Unrecht, wenn er sagt:

„Die Rohfassung eines Romans ist wie Brotteig – man muss ihn oft und heftig durchkneten, damit er aufgeht.“

Einen Roman zu schreiben, ist eine große Leistung, ganz klar. Das, was man zu Papier gebracht hat, auf Herz und Nieren zu prüfen, also Wortwiederholungen auszumerzen, sich Spannungsbögen und Figurenzeichnung anzugucken, noch einmal zu checken, ob überall die Erzählperspektive stimmt … all das mag lästig erscheinen, kann aber auch Spaß machen. Und wenn man noch am Anfang seiner Autorenkarriere steht und mit seinem Text zum ersten Mal an einen Verlag oder Agenten herantritt, kann er gar nicht gut genug sein, auch in formaler Hinsicht.