Praxis: Inquit-Formeln

„Nicht schon wieder“, sagte sie.

„Doch“, rieb er sich die Augen, „und wie.“

„Aber das ist doch Quatsch“, sagte sie.

„Was ist Quatsch?“, sah er sie mit großen Augen an.

„Deine Inquit-Formeln“, sagte sie.

„Meine … was?“, runzelte er die Stirn.

„Na, die Inquit-Formeln“, sagte sie, „das, was beim Dialog, bei der wörtlichen Rede, anzeigt, wer gerade spricht.“

„Und was ist so schlecht an meinen Inquit-Formeln?“, hob er die Weiterlesen

Praxis: Charakterzeichnung

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Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.

So beginnt der Untertan von Heinrich Mann (1918). Die ersten Absätze des Romans beschreiben, wie Heßling aufwächst, und jedes kleine Detail, sein Charakter, was er erlebt und wie er sich verhält, auf seine Umwelt reagiert – all das charakterisiert diese literarische Figur und bestimmt ihren weiteren Werdegang. Es ist eines der eindrucksvollsten Beispiele von Figurenpsychologie, die ich kenne. Weiterlesen

Praxis: originell sein

Originell zu sein ist gar nicht so leicht. Ich habe schon von vielen Autoren gehört (und kenne es auch von mir selbst), dass man immer mal wieder das Gefühl hat: Das, was ich hier tue, haben schon tausend andere gemacht. Natürlich muss ein Text, den man schreibt, in irgendeiner Form originell sein, sonst bräuchte man ja gar nicht erst anzufangen. Aber was ist Originalität denn überhaupt? Weiterlesen

Das Hamburger Dogma

In den letzten Jahren ist es still geworden ums Hamburger Dogma – genau wie um sein filmisches Vorbild, das Dogma 95 von Lars von Trier, Thomas Vinterberg & Co. Bei beiden künstlerischen Konzepten ging es darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und überflüssigen Schickschnack in der Kunst wegzulassen. Bei den Dogma-Filmen wie Das Fest oder Mifune gab es keine Filmmusik, es wurden nur Handkameras verwendet, Filter oder Effekte kamen nicht in Frage. Weiterlesen

Praxis: Figurenbau

Man muss seine Figuren kennen, das ist das A und O, und darum kommt kein Autor herum. Egal wie plot driven ein Roman ist (z. B. ein Krimi oder Thriller), wenn die Figuren nicht nachvollziehbar sind, wenn sie wie Abziehbilder wirken, man sie nicht „vor sich sieht“, entsteht einfach kein guter Text.

Damit ist nicht gemeint, dass man sie so gut wie möglich beschreiben muss. Man kann seine Figuren auch ohne langatmige Beschreibungen charakterisieren, z. B. dadurch, wie sie mit anderen im Dialog interagieren – überhaupt sind die Beziehungen der Figuren untereinander sehr wichtig. Weiterlesen