Drei Fragen an die Lektorin: Sabine Baumann (Schöffling)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Ich schließe mich den Kollegen aus den anderen Häusern an und empfehle neben dem regelmäßigen Schreiben, auch wenn gerade kein konkretes Lyrik- oder Romanprojekt ansteht, viel und gründlich zu lesen. Von Klassikern und Zeitgenossen kann man viel lernen. Die Frankfurter Poetikvorlesung ist ebenfalls eine großartige Möglichkeit, sich von den Autoren, die dort über ihr Schreiben Auskunft geben, anregen zu lassen.

Meine Erfahrung ist, dass es beim Schreiben wie im Leben auch sehr Weiterlesen

Drei Fragen an die Lektorin: Barbara Maassen (Droste)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Mein Rat für angehende Autoren klingt simpel, ist aber häufig gar nicht so einfach zu befolgen: Sich selbst nicht so wichtig nehmen. Nach links und nach rechts sehen. Welche Bücher haben mich beeindruckt? Warum war das so? Lag es am spannenden Thema? Dem besonderen Schreibstil? Oder haben mich die überraschend interagierenden Weiterlesen

Drei Fragen an den Lektor: Anvar Cukoski (Piper)

Was ist Ihr wichtigster Tipp für angehende Autoren?

Lesen! Wenn man nicht ein unwahrscheinliches Genie ist, wie es alle 50 Jahre nur einmal vorkommt, kann man gar nicht genug lesen. Und damit meine ich nicht: auf dem Sofa liegen und einen Roman nach dem Lustprinzip verschlingen, sondern sich die Bücher vorknöpfen, die man großartig findet, und dann nochmal lesen und ein drittes Mal. Ganz genau hinschauen, wie bestimmte Effekte erzielt werden. Weiterlesen

Vorsicht, Falle: DKZV

TOY1QC4O5D © Bethany LeggStockSnapWenn man über die Buchmesse läuft, sieht man hin und wieder einen Stand (in Frankfurt vor allem in Halle 4.1 rechts hinten), an dem ein Schild prangt, auf dem „Verlag sucht Autoren“ steht oder „Manuskripte gesucht“ oder etwas in der Art. Wow, mag man da denken, wenn man gerade auf Verlagssuche ist, normalerweise ist es doch umgekehrt. Und wenn man das denkt, hat man auch im Prinzip recht: Denn das hier sind keine normalen Verlage, sondern sogenannte Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Weiterlesen

Das unverlangt eingesandte Manuskript

Die meisten Verlage nehmen sogenannte „unverlangt eingesandte Manuskripte“ entgegen. Oft steht auf der Webseite eines Verlags ziemlich genau, was man darunter zu verstehen hat. Auf der Webseite von Hoffmann & Campe z. B. heißt es:

Übersenden Sie zunächst nur ein Exposé und die ersten 30 Seiten (30 Zeilen à 60 Anschläge, einseitig / anderthalbzeilig beschrieben) als Leseprobe – das gesamte Manuskript bitte nur nach Aufforderung.

Das ist ein ziemlich übliches Procedere. Das Schlimmste, das man tun kann, ist ein komplettes Manuskript einzuschicken. Mehr als 10–12 Seiten von einem Manuskript schaut sich der Volontär oder Praktikant des Lektors (der Lektor selbst hat für unverlangt eingesandte Manuskripte nur in den allerseltensten Fällen Zeit) meist ohnehin nicht an.

Üblicherweise braucht ein Verlag dann um die vier Monate, bis man eine Absage erhält, manche antworten auch gar nicht. Zurückgesandt wird von dem Eingesandten i. d. R. ohnehin nichts – wenn ein Publikumsverlag im Jahr um die 4000 unverlangt eingesandte Manuskripte bekommt, kann man sich leicht ausrechnen, warum.

Ein Lektor in einem großen Verlag erzählt mir neulich, in den zehn Jahren, die er seinen Posten hat, hätten sie aus keinem einzigen unverlangten Manuskript ein Buch gemacht. Und das seien immerhin um die 30.000 Stück gewesen. Nur: Wenn daraus ohnehin nichts wird, warum nehmen die Verlage dann noch diese Manuskripte an?

Viele sehen es nach wie vor als Serviceleistung an, sich Manuskripte schicken zu lassen und auch (in welcher Form auch immer) zu sichten. Andere scheuen vielleicht davor zurück, potenzielle Autoren als Leser zu verprellen. Dennoch gehen viele, vor allem kleinere, Verlage inzwischen dazu über, sich gar keine Manuskripte mehr schicken zu lassen. So heißt es bei Jacoby & Stuart auf der Webseite:

Bis auf weiteres können wir leider keine unverlangten Manuskripte annehmen!

Das ist immerhin ziemlich ehrlich. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch Ausnahmen gibt: Das Blütenstaubzimmer, Zoë Jennys Debütroman, für den sie 1997 den Aspekte-Literaturpreis erhielt, kam beispielsweise als unverlangt eingesandtes Manuskript zur Frankfurter Verlagsanstalt. Und auch Alina Bronskys Scherbenpark traf unverlangt bei Kiepenheuer & Witsch ein und war bei Erscheinen (2008) Spitzentitel der Verlagsvorschau. Für dieses Jahr wäre Julia Wolfs Debüt Alles ist jetzt zu nennen (wieder Frankfurter Verlagsanstalt).

So lange solche Ausnahmen die Regel bestätigen, werden Verlage nach wie vor unverlangt eingesandte Manuskripte annehmen. Und so lange kann man Glück haben. Wenn die Chance auch zugegenermaßen sehr gering ist, über diesen Weg einen Verlagsvertrag zu bekommen.

Jugendbuch … oder was?

Wir brauchen Schubladen, überall in unserer Gesellschaft. Und der Buchmarkt ist dabei keine Ausnahme: Wer mit seinem Manuskript auf Verlagssuche geht, der muss es in eine Schublade einordnen können.

Wie man damit aber sozusagen in die Zwickmühle kommt, zeigt der schöne Debüt-Roman von Florian Wacker, Dahlenberger, der in diesem Sommer erschienen ist und beim Verlag Jacoby & Stuart in der Sparte „Jugendbuch“ läuft. Man sieht schon dem Cover an, dass der Roman als Jugendbuch gehandelt wird: Dort stehen Autor, Titel und Verlag, aber es fehlt das Wort „Roman“.

Meiner Meinung nach ist es kein Jugendbuch, sondern schlicht ein Roman. Erst nach der Lektüre sah ich eine Besprechung in der ZEIT, und als da das Wort „Jugendbuch“ fiel, war ich wirklich erstaunt. Dabei hätte ich es besser wissen müssen: Sobald die Protagonisten eines Romans bis etwa 21 Jahre alt sind, will der Buchmarkt ihn heutzutage als Jugendbuch definieren. Dass der Autor das anders sieht (hier gibt es mein Interview mit ihm, da erzählt er mehr darüber), ist nicht verwunderlich. Und auch schon Finn-Ole Heinrich weist immer wieder darauf hin, dass er keine Kinderbücher schreibt, sondern Bücher, in denen die Helden Kinder sind.

Schauen wir etwas weiter zurück in der Literaturgeschichte, stellt sich dieses Problem in der Form nicht. Musils erster Roman, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, ist alles, nur kein Jugendbuch. Romeo und Julia sind noch keine achtzehn, aber niemand würde darauf kommen, Shakespeares Stück ein „Jugenddrama“ zu nennen. Hans Castorp, der Protagonist des Zauberbergs, ist 22 Jahre alt. Und auch Goethes Junger Werther dürfte nicht viel älter als Anfang zwanzig sein.

Immerhin, ein Gutes hat es für Florian Wacker: Dahlenberger ist als eines von drei Büchern für den renommierten Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg nominiert. Und das geht natürlich nur als Jugendbuch.